Terra Incognita
Die Azoren

Erster Landgang

Azorenhoch, das ist so ziemlich das einzige, was ich bisher mit den Azoren in Verbindung gebracht habe. An Bord wurden wir auf die Inseln vorbereitet. Wir haben in Ponta Delgada, der Hauptstadt, auf der Insel Saõ Miguel festgemacht. Die Azoren sind eine weit auseinandergezogene Inselgruppe im Atlantik. Das Klima ist subtropisch. Die Inseln sind beschaulich und werden noch nicht von vielen Touristen besucht. Das Wasser ist herrlich klar. Die Landschaft ist geprägt von vulkanischen Bergen, Kraterseen und herrlichen Steilküsten. Auch jetzt Ende Oktober sind noch Spuren der üppigen Vegetation zu erkennen. Im Sommer sind die Inseln sicher ein wahres Blumenmeer. In dieser vulkanischen Umgebung gibt es auch Mineralquellen. Die Strände sind durch die Vulkanasche dunkel und meistens von Steilküsten eingerahmt.

Nach einer ersten Erfrischung machen wir uns auf, die vorbereiteten Postkarten zu versenden. Punto Delgada ist ziemlich verwinkelt, die Bürgersteige in den engen Straßen und Gassen bieten meist nur für eine Person Platz. Manchmal ist es wie Spießrutenlaufen zwischen den Autos. In der Innenstadt gibt es jedoch einige für den Verkehr gesperrte Straßen. Die Stadt ist bald erkundet, und wir machen einen Bummel am Hafen entlang. Ein modernes Einkaufs- und Tourismuszentrum ist hier der zentrale Punkt. Die Architektur ist modern und paßt nicht unbedingt zum malerischen Bild der übrigen Stadt. Das Bild der an der Außenmole des Hafens festgemachten Großsegler ist dominierend. Schon jetzt bilden sie eine kleine Sehenswürdigkeit.

Der Abend naht, und es wird Zeit, sich nach etwas Eßbarem umzusehen. Wir landen in einem kleinen Restaurant in der Altstadt. Nils haben wir inzwischen aus den Augen verloren. Mit Unterstützung einer sehr freundlichen Bedienung arbeiten wir uns durch die Speisekarte. Das bestellte ,,Supersteak„ entpuppt sich als Riesenportion. Mit Unterstützung einer Flasche Rotwein ist es gerade noch zu bewältigen. Bald finden sich noch andere Besatzungsmitglieder und auch der Kapitän in unserem Restaurant ein. Es entwickelt sich ein fröhliches und ausgelassenes Zusammensein, das erst mit der Sperrstunde endet. In guter Stimmung machen wir uns auf zu unseren Hängematten. Unterwegs beschließen wir, am nächsten Tag ein Auto zu mieten und eine Inselrundfahrt zu unternehmen

Azorentour

Mit dem gemieteten Kleinwagen macht sich die ,,subsbench„, Nils, Christof, Rolf und ich, auf, die Wunder von Saõ Miguel zu erkunden. Die Küstenstraße ist schmal und kurvig, sobald wir Ponta Delgada verlassen haben. Wir folgen ihr für einige Kilometer und lassen uns von den kleinen Orten und der Küstenlandschaft verzaubern. Wir wenden uns bald von der Küste ab, und auf einer gewundenen Bergstraße erreichen wir die Geysire und den Kratersee bei Furnas. Hier nimmt Nils ein kurzes Bad im recht kalten Kratersee, eigentlich hatte er wegen der naheliegenden heißen Quellen wärmeres Wasser erwartet. Wir fahren jetzt durch die Berge zur anderen Seite der Insel. Das Wetter ändert sich ständig. Sonnenschein wechselt sich mit Nieselregen und Nebel ab, die Landschaften bieten dadurch immer neue Stimmungen, deshalb ist es anstrengend, diesen ständigen Wechsel auf Film zu bannen. Auf der anderen Inselseite fahren wir die Steilküste entlang und halten an verschiedenen Aussichtspunkten. Die Steilküste bietet im wechselnden Licht prachtvolle Anblicke. In einem kleinen Ort finden wir ein Restaurant zum verspäteten Mittagessen. Ich probiere die einheimische Küche aus und bestelle Kutteln mit weißen Bohnen. Das Essen ist wieder sehr reichhaltig und mundet vortrefflich. Auf der Weiterfahrt passieren wir eine Teeplantage. Wir halten in der Nähe des Hauptgebäudes. Das Anwesen erscheint menschenleer. Nach einigem Suchen finden wir jedoch einen der Bewohner, der uns bereitwillig die Teefabrik mit Maschinen aus dem vorigen Jahrhundert zeigt und uns auch azorischen Tee verkauft. Ein ausgefallenes Mitbringsel von den einzigen Teeplantagen Europas. Überwältigt von den Eindrücken, erreichen wir spät unseren Liegeplatz. Hier herrscht ziemliche Aufregung. Es wurde beschlossen, daß wir einen Tag früher als geplant auslaufen. Jetzt müssen alle Trainees und Besatzungsmitglieder, die sich bis Sonntag abgemeldet haben, von der Änderung des Planes unterrichtet werden. John hat wieder einmal alle Hände voll zu tun.

Abschied von den Azoren

Wir geben den gemieteten Wagen zurück und besorgen noch Andenken an diese wunderbare Insel. Zum Mittagessen genehmigen wir uns nochmal ein ,,Supersteak“ und eine Flasche Wein. Dann ist die Zeit des Abschieds gekommen.