Nachgedanken

Nach dreieinhalb Wochen auf See ist der Anblick von Hügeln und Bäumen ungewohnt. Der Boden ist noch nicht wieder fest unter den Füßen. Es wird noch einige Tage dauern, bis sich morgens die Dusche nicht mehr bewegt.

Was habe ich in dieser Zeit alles erlebt. Nach dem Auslaufen aus New York zuerst die Ausläufer von Karen, sommerliches Segelwetter mit unglaublichen Eindrücken, die schnelle Passage zu den Azoren, Saõ Miguel mit Punto Delgado und seiner Landschaft, schwereres Wetter in der Biskaya und vieles mehr. Die See hat sich in vielen ihrer Schattierungen gezeigt. Die Nächte zeigten mir einen Sternenhimmel, wie ich ihn noch nie wahrgenommen habe. Jeder Tag, jede Nacht, ja jeder Augenblick der letzten Wochen brachte ein neues Ereignis und neue tiefe Eindrücke. Ich habe eine Ahnung von den Leistungen der früheren Seefahrer erhalten. Ihre Leistungen erscheinen nun in einem neuen Licht.

In der dreieinhalb Wochen dauernden Reise lebten wir alle, neunzig Trainees und die dreißig Männer und Frauen der Stammbesatzung, doch auf verhältnismäßig engem Raum zusammen. In der ganzen Zeit kam es zu keinen nennenswerten Reibereien. Das Ganze war größtenteils von gegenseitigem Respekt geprägt. In den Wachen waren wir alle aufeinander angewiesen. Jeder hat seine Aufgaben erfüllt, so gut er konnte. Es stellt sich die Frage, wenn Menschen aus zwölf Nationen dies schaffen, warum ist ein friedliches und respektvolles Zusammenleben nicht auch im größeren Rahmen möglich.

Auf See hinterlassen wir keine Spuren, nach kurzer Zeit ist das Kielwasser nicht mehr sichtbar, es ist so, als sei man nie dagewesen. In dieser Umgebung erscheinen die täglichen Probleme nicht mehr ganz so wichtig. Die See hat mir die verloren geglaubte Ruhe wiedergegeben. Alle meine Erwartungen an diese Reise wurden bei weitem übertroffen. Ringelnatz gibt einiges in seinen Gedichten wider. Einige davon habe ich an einem Nachmittag nach den Azoren vorgetragen.