Ostsee 1967

Exkursionen und Seetörn in der dänischen Südsee

Kiel SAR

Nach der Anreise mit dem Zug von Süddeutschland nach Kiel und einer Übernachtung in einer Jugendherberge besuchen wir den Marinefliegerhorst in Kiel-Holtenau. Als Highlight des Besuchs ist ein Rundflug über Schleswig-Holstein geplant. Dies ist gleichzeitig ein Kontrollflug über das nordfriesische Wattengebiet, für den Fall, daß sich Wattwanderer in Not befinden.

Wir besteigen also die Grumman HU-16 Albatross und bekommen zuerst eine Schwimmweste ausgehändigt, mit der Bitte diese anzulegen. Dann starten wir und nach einer Platzrunde fliegen wir entlang der deutschen Ostseeküste bis zur dänischen Grenze. Dort drehen wir nach Westen und erreichen bald die Nordseeküste auf der Höhe von Sylt.

Nach einer Kursänderung nach Süden fliegen wir in ca. dreihundert Metern über das deutsche Watt, bis hinunter zur Elbmündung. Dort drehen wir nach Osten in Richtung Kieler Förde.

Jetzt folgt der Höhepunkt wir Wassern auf der Kieler Förde. Dann bringt uns der Pilot auf die richtige Position und gibt Gas, die Albatross nimmt jetzt Fahrt auf. Als eine gewisse Geschwindigkeit erreicht ist scheint das Flugzeug nicht mehr schneller zu werden, so als würde es vom Wasser festgehalten. Dann reißt die Strömung ab und mit einem merklichen Ruck erhebt sich die Albatross in die Luft. Nach einer Platzrunde landen wir dann wieder auf dem Fliegerhorst.

Bei Kaffee und Kuchen beantwortet die Flugbesatzung unsere Fragen und erzählt von ihren Erfahrungen als SAR-Flieger der Bundesmarine.

Tagestörn

Nach einer weiteren Übernachtung in der Jugendherberge nehmen wir am nächsten Tag an einer Exkursion auf  der Herrmann Wattenberg, dem Forschungsschiff des Instituts für Meereskunde der Universität Kiel, teil. Es Geht von Kiel nach Eckernförde.

Neben der seemännischen Besatzung sind noch einige Meeresbiologen an Bord. In regelmäßigen Abständen wird gestoppt und Wasserproben aus verschiedenen Tiefen genommen. Die Proben werden im bordeigenen Labor direkt ausgewertet und für die weitere Prüfung an Land vorbereitet.

Es wird nach Verunreinigungen und Kleinlebewesen gesucht und die Veränderung zu den vorangegangenen Exkursionen festgestellt. Uns wird das ganze Prozedere erklärt. Hier wurden schon die ersten Veränderungen durch das Klima festgestellt.

Am Abend geht’s dann wieder in die Juhe.

Vor einiger Zeit bin ich nochmal über die Herrmann Wattenberg gestolpert. In einer Fernsehdokumentation wurde über einen Seenotfall berichtet. Ein Kutter Caribic lief auf den Treibsänden beim Leuchtturm Roter Sand auf Grund, weil der Skipper augenscheinlich eine Abkürzung durch das Watt nehmen wollte. Nach der Grundberührung war das Schiff nicht mehr frei zu schleppen, da der Treibsand schon in Aktion getreten war. Innerhalb von zwei Jahren verschwand das Schiff vollständig im Watt.

Kiel

Am nächsten Tag unternahmen wir dann einen Ausflug zum Marine Ehrenmal in Laboe. In den Jahern 1927 bis 1936 wurde das Marine Ehrenmal zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Marinesoldaten erbaut. Später kamen noch die Gefallenen der Kriegs,arine hinzu. Seit der Übernahme durch den Deutschen Marinebund am 30. Mai 1954 erinnert das 1996 zur Gedenkstätte umgewidmete Ehrenmal an die auf den Meeren gebliebenen Seeleute aller Nationen und mahnt eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren an. 

Ein Besuch bei den Howaldtswerken Deutsche Werft GmbH (HDW) schloß sich an. Das Beeindruckedste war das Biegen von sogenannten „Schiffsbaublechen“. Ich hatte bei Blech nicht die Asoziation von Zehn Zentimeter dicken Stahlplatten.

Dann ging es zurück in die Juhe, wo wir unser Gepäck eisammelten und uns nach Laboe zur Übernahme des gecharterten Boot auf den WEg machten. Nachdem wir alles verstaut hatten wurden wir noch zu einer Besichtigung des Seenotrettungskreuzers Theodor Heuss der DGzRS eingeladen. Vormann war zu dieser Zeit Johann Eberhardt Jr. Offensichtlich ein Bekannter von unserem Käpt’n Briddigkeit, der an Schenkung eines Strandseenotrettungsboots an mein Internat am Bodensee, auf dem ich während meiner Schulzeit dort Rettungsdienst fuhr, beteiligt war. 

Dann ging es zur ersten Übernachtung auf unserem Boot.

Seetörn in der dänischen Südsee

Die Nacht endet früh und nach einem kurzen Frühstück verholen wir zum Schiffsausrüster in Kiel-Holtenau. Sehr wahrscheinlich „Hermann Tiessen„. Wir hatten schon im Vorfeld unsere Vorräte geordert und mußten nur noch einladen. Die Alkoholika und Zigaretten wurden im Vorschiff gelagert und verplombt. Der Dosenproviant wurde überall wo Platz war verstaut. Erwähnenswert sind besonders die Kilodosen mit dänischer Tropenbutter, die auch eine mehrfache Konsistenzänderung von fest zu flüssig ohne  Qualitätsverlust verkraftete. An Bord gab es noch keinen Kühlschrank. Daher die vielen Dosen. Besonders „beliebt“ war ein Eintopf aus Brechbohnen und Corned Beef. Schmeckt nicht unbedingt macht aber satt. In Dänemark konnte man dann mit Schnaps und Zigaretten an Land handeln.

Jetzt wurde abgelegt und vorbei am Kieler Feuerturm ging es mit achterlichem Wind nach Marstal einer kleinen Hafenstadt auf der Insel Ærø. Für mich ist es die erste Bekanntschaft mit dem Segeln auf See. Die Ausbildung durch Käpt’n Briddigkeit trägt nun ihre Früchte. Schon beim A-Schein wurde die terrestrische Navigation eingeübt, die Prüfung entsprach dem heutigen SKS-Schein.

Unser Boot ist ein Kielschwerter, der bei dem Raumschotskurs relativ unangenehm rollt, daher verabschieden sich einige Mitsegler in die Koje. Die aufkommende Seekrankheit ist dort besser auszuhalten. Ich hatte damit noch nie zu tun.

Ich war die meiste Zeit Rudergänger und wurde nur zu jeder vollen Stunde von Käpt’n Briddigkeit abgelöst um unten unseren Koppelort in die Karte einzutragen. Dann wieder zurück ans Ruder. Abends erreichen wir Marstal und wollen nur unter Motor einlaufen. Ich bereite mich unten mit dem Hafenhandbuch vor, plötzlich bemerke ich, daß wir eine Grundberührung haben. Ich rufe dem Rudergänger (Käpt’n) zu daß wir dabei sind aufzulaufen und beginne das Schwert hochzuholen, so daß wir mit Vollgas Rückwärts frei kommen können. Statt dessen gibt der Käpt’n „Voll Voraus“ bis wir „Hoch und Trocken“ sitzen.  Da das Wasser nicht allzu tief ist müssen jetzt drei Mann über Bord und solange schieben bis wir wieder freikommen. Das restliche Anlegemanöver verläuft dann ohne Probleme.

Der nächste Tag bringt uns durch ein verzwicktes Fahrwasser nach Svendborg. Dann geht’s in die dänische Südsee. Wir ankern für die Nacht nördlich Korshavn und der Käpt’n geht an Land. Als er eine Weide überqueren möchte, wird er von einem dort grasenden Jungbullen auf’s Korn genommen und kann sich nur dur einen „Sprung“ über die begrenzende Feldsteinmauer retten. der restliche Abend verlief dann friedlich. Ohne weitere Vorfälle ereichen wir unsere weiteren Ziele Avernakø, Lyø und Bagø unserem nördlichsten Hafen.

Unser nächster Hafen ist Mommark. Wir machen am stillgelegten Fähranleger fest. Wir liegen an einem zwei Meter hohen Abweiser, der die Fähre beim Anlegen unterstützte. Um die Reibung zu senken ist das ganze Holz mit Schmierfett bestrichen, unsere Fender sehen entsprechend aus und müssen am nächsten Tag mit Spiritus gereinigt werden.

Der nächste tag bringt stärkere Winde aus Südwest. Wir müssen als nach Maasholm kreuzen. Unser Boot ist dabei etwas unangenehm, da es genau in die Wellentäler paßt und von jeder Welle nahezu zum Stillstand gebracht wird. Nach einer kurzen Nacht geht’s dann zurück in unseren Ausgangshafen Laboe.

Nachdem wir festgemacht haben wir klar Deck und rein Schiff gemacht und unsere Seesäcke gepackt. Wir ziehen alle unsere Reiseklamotten an. An diesem Abend serviert der ‚Käpt’n“ dan Spagetti mit Tomatensosse. Das ist wohl kaum unfallfrei zu essen und so packen wir alle nochmal unser Ölzeug aus, damit wir nicht „verkleckert“ zur Bahn müssen.

Damit geht mein erster „Seetörn“ zu Ende und am nächsten Vormittag geht’s ab nach Hause.

 

 

Rundfug über Schleswig-Holstein

Marinefliegerhorst Kiel-Holtenau

Grumman HU-16 Albatross

Nach dem Flug Wir mit der Besatzung

Rettungskreuzer Theodor Heuss

Einsatzbereit in Kiel-Laböe

Gorch Fock im Trockendock

Von der Herrmann Wattenberg

Herrmann Wattenberg

Institut für Meereskunde der Uni Kiel

Auf der Herrmann Wattenberg

Kiel nach Eckernförde

Herrmann Wattenberg

Herrmann Wattenberg

Herrmann Wattenberg

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